{"id":9920,"date":"2011-02-14T04:57:52","date_gmt":"2011-02-14T03:57:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.proterrasancta.org\/?p=9920"},"modified":"2023-01-30T15:52:19","modified_gmt":"2023-01-30T14:52:19","slug":"pater-armando-schreibt-an-die-deutsche-musikschule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/preprod.proterrasancta.org\/de\/pater-armando-schreibt-an-die-deutsche-musikschule\/","title":{"rendered":"Pater Armando schreibt an die deutsche Musikschule"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><\/strong><strong>Dies ist die Ver\u00f6ffentlichung des Briefes, den Pater Armando, der Direktor der Musikschule der Kustodie des Heiligen Landes in Jerusalem, dem Magnificat, an die Unterst\u00fctzer und Freunde der Musikschule Gr\u00fcnwald verfasst hat. Die Worte des Paters Armando wurden im Rahmen des Konzerts am 23. Januar vorgelesen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Freunde, lieber Dirigent,<\/p>\n\n\n\n<p>mein Name ist Pater Armando Pierucci; Ich bin ein Franziskanerpater, genauso wie die im St. Antonio Kloster in M\u00fcnchen. Bis 1988 habe ich Orgel und Orgel-Kompositionslehre an der \u201eG.Rossini\u201c Musikhochschule in Pesaro, der Stadt an der Adria, die die M\u00fcnchener als ihren Strand ansehen, unterrichtet. Pater Ignazio Mancini, der zu der Zeit Kustos des Heiligen Landes war, sagte zu mir: \u201eWir haben viele M\u00f6nche die Musik machen, aber was wir brauchen ist einen Chefdirigenten.\u201c. \u201eWenn sie wirklich spielen k\u00f6nnen\u201c, antwortete ich, \u201ewerde ich f\u00fcr zwei Jahre in das Heilige Land kommen, um alles zu ordnen und dann wieder nach Italien zur\u00fcckkehren.\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war 1988. Zu den zwei Jahren musste ich immer wieder zwei weitere Jahre anf\u00fcgen. Tats\u00e4chlich konnte ich den ersten sieben Jahren keinen einzigen jungen M\u00f6nch davon \u00fcberzeugen sich der Musik zu widmen, um den Orgeldienst in der heiligen Grabeskirche oder in den anderen Heiligt\u00fcmern und Kirchengemeinden des Heiligen Landes zu sichern. Sie alle sagten: \u201eMit Musik kann hier keiner seinen Lebensunterhalt verdienen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>I musste ihnen zeigen, dass hier jemand seinen Lebensunterhalt mit Musik verdienen konnte, genau&nbsp;&nbsp;&nbsp; wie Agostino Lama, ein Armenier und Vater von acht Kindern, der dies bis 1988 getan hatte. 60 Jahre war er der Chefdirigent des Heiligen Landes gewesen. Eine Schule w\u00fcrde jungen Menschen und deren Familien demonstrieren k\u00f6nnen, dass man mit Musik machen im Mittleren Osten leben konnte oder zumindest nicht am Hungertod sterben musste. W\u00e4hrend eines Treffens 1995, schlug ich deshalb den Franziskanern des Heiligen Landes vor eine Musikschule zu er\u00f6ffnen. Ich muss gestehen, dass ich das tat um mein eigenes Gewissen zu beschwichtigen. Ich war mir dreierlei Dingen sicher: Die M\u00f6nche w\u00fcrden gegen meinen Vorschlag stimmen, sie w\u00fcrden keinen geeigneten Ort f\u00fcr die Schule finden und niemand w\u00fcrde sich f\u00fcr die Schule anmelden.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen jedoch begr\u00fc\u00dften die Konferenzteilnehmer meinen Vorschlag einstimmig, der Architekt Pater Alberto Prodomo (OFM) gestaltete den Keller des Klosters der heiligen Grabeskirche f\u00fcr die Schule um und der ersten Einladung folgten 35 junge Sch\u00fcler.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Jahr zu Jahr stieg die Anzahl der Sch\u00fcler stetig. Wir haben niemals f\u00fcr die Schule geworben: Mund-zu-Mund-Propaganda der Kinder hat gen\u00fcgt. Momentan liegt die Grenze der Sch\u00fcleranzahl bei 250 und darum haben wir ein Projekt vorbereitet um eine gr\u00f6\u00dfere Einrichtung zu bauen. Von den 20 Lehrern sind sechs davon Christen. Die anderen sind mutma\u00dflich Juden und Muslime. Aber wir fragen niemanden nach seiner Religion, weder die Lehrer noch die Sch\u00fcler.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Sch\u00fcler sind Christen, aus verschiedenen Konfessionen. Als 2009 seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI in das Heilige Land kam, hatte jeder von ihnen die Gelegenheit an der p\u00e4pstlichen Messe im Kidron-Tal teilzunehmen, auch unsere Chormitglieder. Einige sagten, dass nur Katholiken teilnehmen d\u00fcrften. Es stellte sich heraus, dass unsere Chormitglieder zwar wussten, dass sie Christen waren, sie jedoch nicht wussten welcher Konfession sie angeh\u00f6rten. Unter den Sch\u00fclern haben wir auch viele Muslime und Juden. Einige von ihnen nahmen am liturgischen Gottesdienst teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Musikschule ist in der alten Stadt, dem Teil Jerusalems, den Saladin mit einer Mauer umzogen hat. In der alten Stadt befindet sich die heilige Grabeskirche, die Kapelle der Gei\u00dfelung und die Via Dolorosa. Was die alte Stadt nicht hat, sind Felder, Spielpl\u00e4tze, Orte an denen junge Leute ihren Freizeitbesch\u00e4ftigungen nachgehen k\u00f6nnen. Und es scheint, als w\u00e4ren Saladins Mauern die Grenzen eines Gef\u00e4ngnisses. Vielleicht ist das Magnificat aus diesem Grunde solch ein Erfolg. Musik zu studieren tr\u00e4gt keine ethischen, religi\u00f6sen oder sprachlichen Unterschiede mit sich herum.&nbsp; Am Magnificat werden mindestens zehn verschieden Sprachen gesprochen: Arabisch, Hebr\u00e4isch, Armenisch, Russisch, Griechisch, Englisch, Franz\u00f6sisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zudem hat die Musik ihre eigenen Gaben: die Freude der Kl\u00e4nge, die Freundschaft des Chorgesangs, der Applaus bei Konzerten, der die Belohnung f\u00fcr monatelanges \u00dcben ist, die Freiheit Gef\u00fchle zu zeigen, ohne rot anzulaufen, die M\u00f6glichkeit sein Leben einer artistischen T\u00e4tigkeit zu widmen, wie es drei Sch\u00fcler getan haben, die nun Lehrer am Magnificat sind. Wir legen sehr viel Wert auf Chorgesang, welcher die Stimmen harmonisch vereint. Mit unseren Ch\u00f6ren waren wir im September 2009 in der Schweiz, wo wir zwei CDs mit geistlichen Liedern auf arabisch aufgenommen haben: Eine CD f\u00fcr die Weihnachts- und eine f\u00fcr die Osterzeit. Es gibt gottesdienstliche Lieder aus den fr\u00fchen christlichen Jahrhunderten, als die Kirche noch vereint war; andere wurden aus der Erinnerung \u00e4lterer Menschen wieder hervorgerufen oder komplett neu kreiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diese Weise, durch die Lehre der Musik und die Wiederentdeckung des Chor-Repertoires, praktizieren wir eine Form der Musiktherapie: Gemeinsam zu singen und zu spielen hilft dabei die Traumata zu lindern, die durch Rassenfeindlichkeit, durch 150 Kilometer Mauer und durch ersch\u00f6pfende Wartezeiten an den milit\u00e4rischen Kontrollpunkten entstanden sind. Die Wiederentdeckung des k\u00fcnstlerischen, gottesdienstlichen und musikalischen Repertoires, demonstriert ganz offensichtlich, vor allem gegen\u00fcber Christen, dass wir die selben Wurzeln auf der Erde haben, genauso, wie wir den selben Vater im Himmel haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin Ihrer Musikschule \u00fcberaus dankbar. F\u00fcr Ihren fabelhaften Einsatz heute Abend, f\u00fcr Ihr Konzert zur Unterst\u00fctzung der Magnificat. Neben meinem Dank, haben Sie die Dankbarkeit der Franziskaner, die sich um die Heiligen St\u00e4tte sorgen und von all den Sch\u00fclern und Lehrern unserer Musikschule in Jerusalem. Unsere Schule hei\u00dft \u201eMagnificat\u201c, weil wir inspiriert wurden durch die Umarmung, die die beiden M\u00fctter, Elisabeth und die Heilige Maria, die eine j\u00fcdisch und die andere galil\u00e4isch, in Ain Karem, nicht weit entfernt von Jerusalem, ausgetauscht haben. Die heilige Maria sang damals Magnificat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Umarmung, liebe Musiker und Anwesende, f\u00fchrt die Umarmung der beiden M\u00fctter weiter: Ihr Deutschen umarmt uns mit eurer Liebe. Wir wohnen hier in Jerusalem, aber wir kommen aus vielen Teilen der Erde. Eines Tages werden wir alle gemeinsam singen: \u201e My soul doth magnify the Lord\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielen Dank.<\/p>\n\n\n\n<p>In ergebener G\u00fcte,&nbsp; Ihr&nbsp; Pater Armando Pierucci<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist die Ver\u00f6ffentlichung des Briefes, den Pater Armando, der Direktor der Musikschule der Kustodie des Heiligen Landes in Jerusalem, dem Magnificat, an die Unterst\u00fctzer und Freunde der Musikschule Gr\u00fcnwald verfasst hat. Die Worte des Paters Armando wurden im Rahmen des Konzerts am 23. Januar vorgelesen. 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